nauris mirrage Leichtbau Dobson-Teleskope

 

Konzept

Eine große Optik, die einfache Bedienung und Transportabilität – das sind die wesentlichen Kennzeichen von Dobson-Teleskopen. So erschließt sich dem visuellen Beobachter der Vorteil großer Öffnung, möglichst noch an einem abgelegenen Ort um den Lichtern der Zivilisation zu entkommen. Kein anderes Design bietet einen unmittelbareren Zugang zu den Sternen und zur Natur.

Am häufigsten finden sich unter den kommerziellen Angeboten einfach aufgebaute Mechaniken, oft bestückt mit Optiken aus Massenproduktion. Diese Geräte haben ihre Berechtigung, bieten sie doch ein hervorragendes Preis-Leistungsverhältnis und viele Sternfreunde verdanken ihnen den einfachen Zugang zur Deepsky-Beobachtung.
Aber es muss nicht beim simplen lichtsammeln bleiben, es ist auch wesentlich mehr möglich. Weiterer Komfort und bestmögliche Funktionalität tragen bedeutend dazu bei, das Beobachtungserlebnis zu erhöhen. Ein modernes Dobson-Teleskop kann heute längst viel mehr sein, als das, was viele lange in diesen Geräten sahen, als sie diese Geräte nicht gerade liebevoll „Lichteimer“ nannten.

Die klassischen Dobson-Teleskope, etwa nach dem Buch The Dobsonian Telescope von Kriege und Berry, waren recht stabil gebaut. Das Prinzip Dämpfung durch schiere Masse funktionierte gut. Doch diese Bauform erkaufte man sich durch einen erschwerten Transport und Aufbau. Mit größer werdendem Optikdurchmesser wurde das Gewicht derart hoch, dass sich in den letzten 15-20 Jahren vor allem die Amateure und später auch kommerzielle Hersteller immer Neues einfallen ließen, ihre Geräte leichter und kompakter zu konstruieren. Also war es nur logisch, dass während der Evolution des Dobson-Konzeptes vieles unternommen wurde, um möglichst viel Öffnung bei möglichst geringem Gewicht unter den Sternenhimmel zu transportieren. So wurden die Konstruktionen immer leichter, bis hin zu den Ultraleicht-Dobsons, welche sogar fluggepäcktauglich sind. Viele dieser Konstruktionen sind leicht und praktisch. Bei vielen wurde aber auch deutlich, dass Schwingungsarmut und Justagestabilität bei abnehmendem Gewicht immer weiter litten. Nicht wenige Sternfreunde verbinden heute deswegen mit „Ultraleicht“ eben auch „nicht besonders stabil“.

Möchte man in den Genuss eines robusten, funktionalen und gleichzeitig maximal leichten Teleskops kommen, so wird die Wahl der Materialien und eine geschickte Konstruktion immer bedeutender. Unzulänglichkeiten der Optik oder der Mechanik verderben schnell das Beobachtungserlebnis, denn der Beobachter möchte sich nicht auf den Kampf mit dem Teleskop, sondern auf den packenden Anblick im Okular konzentrieren! Deswegen ist das beste Teleskop jenes, welches man bei der Beobachtung fast vergisst und welches beim Auf- und Abbau keine übermäßige Last darstellt.

Der Beobachter soll Freude an der Bedienung haben und sich ganz auf die Beobachtung konzentrieren können. Das Teleskop soll einfach Spaß machen! Diese Idee leitete die Konstruktion jeden Details der mirrage-Dobsons. So entstand ein auf die Bedürfnisse des Beobachters abgestimmtes Gerät abseits des Massenmarktes, entwickelt aus eigener langjähriger Erfahrung im Bau und Umgang mit Dobson-Teleskopen.


Hauptspiegelzelle

Die Hauptspiegelzelle bildet eine wesentliche Grundlage dieses Leichtbaukonzepts. Denn erst durch eine moderne Ausführung wird es möglich, wirklich dünne, schnell auskühlende Spiegel zu lagern, ohne dass die hohe Qualität der optischen Fläche durch äußere Kräfte negativ beeinflusst wird.

Die 18 Punkte, auf denen der Hauptspiegel gelagert wird, sind in ihrer Auflagefläche definiert und reibungsarm. So unterstützen sie den Spiegel an den Punkten, die per Finite-Elemente-Analyse als optimal errechnet wurden. Relativbewegungen zwischen Glaskörper und Auflagepunkten sind durch die geringe Reibung möglich, ohne dass Verbiegungen durch Haltemomente entstehen.
Allzu oft sieht man große Korkplättchen als Auflageflächen. Neben dem Umstand, dass Kork einen Reibwert wie eine Bremsbacke hat, ist hier nicht sichergestellt, dass die Last des Glaskörpers wirklich in dem Punkt in die Tragkonstruktion eingeleitet wird, den die FEA als ideal vorgibt – das Auflageverhalten über die große Fläche des Korkplättchens ist undefiniert.

Die Dreiecke und Wippen sind so leicht wie sinnvoll konstruiert. Nicht, um das Gesamtgewicht des Teleskops zu drücken, sondern, um die Momentenwirkung der Massen um den Drehpunkt der Wippen möglichst gering zu halten. Ansonsten würden bei zunehmender Zenitdistanz immer größer werdende Momente unerwünschte Kräfte in den Glaskörper einleiten, die zu Verformungen der Oberfläche führen können. Aus diesem Grund sind auch alle Dreh- und Gelenkpunkte der Hauptspiegelzelle reibungsarm ausgeführt.

Das Herz der Hauptspiegelzelle bildet die neue Laterallagerung. Klassische Lagerungen durch eine Schlinge (ganz schlecht bei dünnen Spiegeln) oder durch Lagerungen durch zum Beispiel Wälzlager, die den Spiegel an dessen Umfangsfläche unterstützen stoßen bei immer dünner werdenden Optiken an ihre Grenzen. Astigmatismus aufgrund des Potato-Chip-Effekts, einem Absacken des Spiegels, ist die Folge. Aufgrund der Vielzahl interferometrischer Messungen, die ich durchgeführt habe, ist mir dieses Phänomen gut bekannt. Je nach Gewissenhaftigkeit der Justage der Auflagepunkte wäre bei einem Spiegel mit einem Durchmesser-Stärke-Verhältnis von 20:1 in vertikaler Stellung eine Strehlminderung von 15-40% zu erwarten. Selbst bei idealer Lagerung in der Schwerlinie haben die klassischen Lagerungen also einen deutlichen negativen Einfluss auf die Form der optischen Fläche. In der Praxis, also im Teleskop, muss davon ausgegangen werden, dass der Einfluss nochmals stärker ausfallen kann. Denn wer optimiert seine Laterallagerung wirklich mit Hilfe eines Interferometers? Selbst Abweichungen von wenigen 1/10 Millimetern zu weit nach Vorne oder nach Hinten positioniert degradieren den hochpräzisen Spiegel abseits des Zenit bis weit unter die Beugungsgrenze.

Aus diesem Grund findet in den mirrage-Dobsons erstmals eine Zentrallagerung Einzug, die den Potato-Chip-Effekt wesentlich effektiver als die bekannten Lösungen unterbindet. In einer rückseitigen Sacklochbohrung hält ein Bolzen aus einem Hochleistungs-Kunststoff den Spiegel exakt in dessen Schwerelinie. Die Nachteile anderer Zentrallagerungen werden hierbei umgangen. Der Spiegel ist nicht bis zur Oberfläche durchbohrt, so dass die Justage per Laser nach wie vor wie gewohnt möglich ist. Da der Bolzen nicht mit dem Spiegel verklebt ist, ist die volle Lasteinleitung exakt in der Schwerlinie garantiert.

Die Zentrallagerung  ist derart ausgeführt, dass sich der Spiegel einerseits frei bewegen kann, anderseits ist durch ein Aufspreizen des Bolzen in einen Hintersprung in der Sacklochbohrung sicher gestellt, dass der Spiegel nicht versehentlich aus der Zelle herausfallen kann. Damit wird als weiterer positiver Nebeneffekt erreicht, dass auf seitliche Halteklammern verzichtet werden kann. Zum Ausbauen des Spiegels aus seiner Zelle muss lediglich eine rückseitige Schraube gelöst werden, dann kann der Spiegel nach Oben heraus gehoben werden, ohne dass ihn die Zentrallagerung daran hindert.

Wie effektiv die Zentrallagerung funktioniert, kann man am Beispiel eines im Teleskop interferometrisch vermessenen Spiegel mit einem Durchmesser-Stärke-Verhältnis von 18:1 erkennen:

Die interferometrische Auswertung dieses Spiegels nach der Fertigstellung bescheinigt eine hohe optische Güte, der Strehlwert wurde zu 0,98 ermittelt. Diese Messung wurde derart ausgeführt, dass sich Teststandverbiegungen durch Messungen in mehreren Positionen zuverlässig heraus mitteln (siehe Messverfahren).

Derselbe Spiegel im Teleskop eingebaut und durch die Zentrallagerung vertikal gehalten.

Die Auswertung von 12 Interferogrammen in nur dieser einen Position verrät, dass der Strehl auf 0,95 gesunken ist – ein in der Praxis praktisch nicht sichtbarer Abfall!

Zum Nachweis der Reproduzierbarkeit wurde vor der zweiten Auswertung das Teleskop senkrecht gestellt und dann wieder in Horizontstellung bewegt. Das Ergebnis: wieder Strehl 0,95.

Damit konnte nachgewiesen werden, dass diese Form der lateralen Lagerung selbst bei sehr dünnen Optiken einen zu vernachlässigenden Einfluss auf die Abbildungsleistung hat. Derart gelagert werden Optiken praxistauglich, die besonders leicht sind und maximal schnell auskühlen. Das optimale Auskühlverhalten ermöglicht, das volle Potential der Optik überhaupt erst ausschöpfen zu können, ohne dass Turbulenzen, hervorgerufen durch langsam aufsteigende Warmluftschlieren, das Bild stundenlang degradieren.  

Die Justage des Hauptspiegels erfolgt durch zwei Stellschrauben von Oben. Die dritte Stellschraube ist unnötig und wurde durch eine Gelenklagerung der Zelle an der Basisplatte ersetzt. Die Stabilität der Justage ist bei dieser Ausführung in bester Weise gewährleistet.


Hut und Blendensystem

Besonders beim Hut zahlt sich eine Gewichtseinsparung aus. Jedes Gramm unnötiges Gewicht an dieser Stelle führt dazu, das größere (=schwerere) Gitterrohre die Masse in Zaum halten müssen und stabilere Unterkonstruktionen wiederrum mehr Masse am langen Hebel zu ertragen haben. Dabei kann durch moderne Materialien und eine geeignete Konstruktion mehr als 50% der Masse üblicher Ausführungen eingespart werden. Die Kette aller tragenden Komponenten, welche unter Umständen überdimensioniert werden müssen, hat ihren Ursprung beim Hut. Und so vervielfacht sich letztlich das Einsparpotential am gesamten Teleskop.

Beim mirrage-Dobson kommen zwei CfK-Ringe zum Einsatz, zwischen denen Distanzstücke gleich mehrere Aufgaben übernehmen. Sie dienen als Aufnahmepunkte für die Gitterrohre und an ihnen wird die Fangspiegel-Spinne befestigt. Außerdem finden Hutblende und OAZ-Grundbrett hier ihre Anbindungspunkte an den Hut.

Die Spinne aus dünnem CfK (bei zum Beispiel 16“ Öffnung 0,7mm starkes Material) ist exzentrisch angeordnet und kann so schon durch ein leichtes Verspannen durch die Verschraubung am Hut absolut drehsteif eingestellt werden. So sind Schwingungen oder eine Dejustage des optischen Systems praktisch ausgeschlossen. Eine Doppelspinne bietet hier keine nennenswerten Vorteile, sie ist nicht doppelt so stabil, sie hat lediglich doppeltes Material verbaut.

Die Halterung des Fangspiegels gewährleistet eine stabile Lagerung bei gleichzeitig geringem Gewicht. Der Fangspiegel ist mit Silikon verklebt und über zwei Stellschrauben justierbar. Als Fangspiegel-Heizung kommt ein auf die jeweilige Masse des Glaskörpers abgestimmter Widerstandsdraht zum Einsatz. Dieser hat gegenüber den üblichen Festwiderständen den Vorteil, dass der Glaskörper nicht punktuell erhitzt wird, sondern möglichst gleichmäßig über die gesamte Fläche.

Als Standard wird bei den Größen bis einschließlich 18“ Optikdurchmesser ein 2“ Kineoptics HC-2 Helical-Fokussierer verbaut. Die Geräte größer 18“ sind mit einem FeatherTouch Okularauszug ausgestattet. Bei den kleineren Geräten kann auf Wunsch ebenfalls ein FeatherTouch verbaut werden. Die Adaption eines anderen Okularauszuges als die beiden genannten stellt in der Regel kein Problem dar – sprechen Sie mich einfach darauf an.

Der kleine und leichte Rigel Quickfinder bietet sich besonders bei Leichtbau-Teleskopen als Aufsuchhilfe an. Er ist auf einer separaten Aufnahme befestigt, die entlang des unteren Hutringes an jede beliebige Position verschoben werden kann. Auf diese Weise lässt sich die beste Einblickposition durch den Sucher finden und jederzeit verändern.
Optische Sucher sind nicht als Standard vorgesehen, können aber auf Wunsch ebenfalls adaptiert werden.

Am Hut finden sich drei Blenden, die im Zusammenspiel wirksam Streulicht unterdrücken. Bekannt sind Blenden am Okularauszug und am gegenüber liegenden Gitterrohrpaar. Neu ist jedoch, dass bei den mirrage-Dobsons eine Blende um den Fangspiegel platziert ist. Hierdurch kann die Gegenblende gegenüber dem Okularauszug zwischen 40%-50% kleiner als üblich ausfallen. Dies hat den Vorteil, dass dadurch die Windangriffsfläche erheblich reduziert wird. Da die FS-Blende aus wenigen zehntel Millimeter starkem CfK gefertigt ist und parallel zu den Spinnenarmen steht, ist der Beugungseffekt kaum bemerkbar. Ist maximaler Kontrast, zum Beispiel bei der Planetenbeobachtung, gewünscht, so kann diese Blende binnen Sekunden entfernt und auch wieder befestigt werden. Für Sternfreunde, die aus Prinzip keine Fremdkörper im Strahlengang wissen wollen, ist nach wie vor natürlich auch eine normal große Gegenblende möglich, die FS-Blende entfällt dann.

Zum Schutz des Hauptspiegels beim Aufbau und Transport ist ein Deckel vorgesehen, welcher durch vier Halteplättchen fixiert werden kann.


Filterschwenker

Eine Besonderheit des mirrage-Dobson macht ganz sicher der in das OAZ-Brett integrierte Filterschwenker aus. Standardmäßig kann die Schwenkmechanik mit drei 2“ Filtern bestückt werden, optional kann aber auch ein vierter Platz vorgesehen werden. Dieses System ist einzigartig und bietet mehrere Vorteile. Die gesamte Einheit ist sehr leicht und kompakt und die Filter sind gut vor direktem Einfluss von Feuchtigkeit geschützt. Durch einen Schieber lässt sich der Filter komfortabel und binnen kürzester Zeit in den Strahlengang einschwenken. So gewinnt das „blinking“, also der schnelle Wechsel zwischen gefiltertem und ungefiltertem Anblick, eine ganz neue Bedeutung.

Die Filter können durch Entfernen der Rückplatte (durch Rändelschrauben mit dem OAZ-Brett verschraubt) eingeschraubt werden und permanent im geschützten Gehäuse des OAZ-Brettes verbleiben.


Gitterrohre

Mittlerweile darf es in der Amateurszene als Konsens gelten, dass sechs gegenüber acht Rohren, kombiniert zu einem Dreiecksverband, keine Vorteile bietet. Denn neben anderen konstruktiven Hürden müssen sechs Rohre letztlich größer dimensioniert werden, um die gleiche Stabilität wie die klassische Lösung mit acht Rohren zu erzielen.
Verwendet man leichte CfK-Rohre, so macht es wenig Sinn, hier Gewicht sparen zu wollen. Stattdessen ist es sogar sinnvoller, diese Rohre mit einem größeren Querschnitt auszulegen, was direkt der Steifigkeit und Justagestabilität des gesamten Teleskopes zuträglich ist. Kurzum: ausgerechnet hier zu sparen, heißt am falschen Ende zu sparen.

Am Hut werden die drei langen Rohrpaare über einen Konus in eine Senkborhung verschraubt. Durch diesen definierten Formschluss bleibt die Justagestabilität auch beim nächsten Aufbau weitgehend erhalten und diese sichere Form einer Verbindung stellt einen Fixpunkt dar, über welchen konstruktiv provozierte Schwingungen oder Justageprobleme ausgeschlossen sind.  

Die Rohre sind über Verbindungselemente paarweise zusammen gefasst und lassen sich für den Transport parallel stellen.


Höhenräder

Durch den großen Durchmesser der Höhenräder lässt sich das Teleskop feinfühlig und gut dosierbar nachführen.

Oft werden Höhenräder zu schmal ausgeführt. Für einen guten Stand ist es günstiger, relativ breite Höhenräder zu verwenden. Beim mirrage-Dobson bestehen die Höhenräder aus einem Sandwich aus zwei CfK-Sicheln außen, welche mit dem Mittelteil verschraubt und vollflächig verklebt sind. Die Außenplatten sind derart ausgeführt, dass sie eine seitliche Führung gewährleisten. Bis einschließlich 16“ Öffnung besteht der Mittelteil aus Kunststoff, bei den größeren Öffnungen findet eloxiertes Aluminium Verwendung.

Die Höhenräder werden mittels jeweils drei Schrauben an die Spiegelbox geschraubt. Die Versteifung der überstehenden Sichelteile übernehmen Abstrebungen aus CfK, welche an Spiegelzelle und Höhenrad mit Rändelschrauben befestigt sind und so leicht montiert werden können. Anstatt Höhenräder und Abstrebungen zu montieren und zu demontieren bietet sich an, diese beim Transport wenn möglich an der Spiegelzelle zu belassen und die gesamte Einheit in der Wiege liegend zu transportieren. So ergibt sich ein kompaktes Paket und es sind lediglich noch Gitterrohre und der Hut aufzubauen. Derart transportiert kann ein Aufbau samt Justage in wenigen Minuten stattfinden. 


Zuggurtsystem

Um trotz des geringen Eigengewichts speziell der 14“ und 16“-Modelle die Möglichkeit zu bieten, kleine Sucherfernrohre, schwere Okulare oder gar Bino-Ansätze einsetzen zu können, sind die kleineren Geräte bis einschließlich 18“ Optikdurchmesser standardmäßig mit einem Zuggurtsystem ausgestattet. Ab 18“ wird dieses nur noch für Großfeld-Binoansätze mit Glaswegkorrektor, also einem Mehrgewicht am Okularauszug von 1,5kg und mehr, benötigt.

Das verbaute Zuggurt-System besteht aus einem bis -15°C erprobten Gummizug und mehreren reibungsarm gelagerten Umlenkrollen. Bestehende Lösungen, die dieses Prinzip des Balanceausgleichs nutzen, haben oft den Nachteil, dass eine Art Hysterese auftritt. Das heißt, es gibt einen Totbereich beim Nachführen, in dem das Gerät beim Hochschwenken wieder leicht absackt. Die intuitive Bewegung des Teleskops während der Beobachtung wird so gestört und das Nachführen raubt Konzentration und wird lästig. Aufgrund der reibungsarmen Lagerung der Umlenkrollen existiert dieses Verhalten beim mirrage-System nicht. Ganz im Gegenteil, der Beobachter vergisst, dass ein Zuggurt aktiv die Balance hält, denn während der Beobachtung erscheint er wie nicht vorhanden. Ein zweiter Vorteil dieses Zuggurtsystems ist, dass es nicht dazu neigt, aufgrund einer ungünstigen Kraftangriffsrichtung den OTA nach Vorne aus der Wiege zu ziehen. Dieses Problem konnte dadurch umgangen werden, dass bei stärker werdendem Zug der Kraftvektor immer weiter in die Senkrechte verlagert wird. Auf diese Weise zieht der Gurt das Höhenrad stärker in die Wiege, anstatt aus der Wiege heraus.    

In der Regel reicht ein Gurt an der dem Okularauszug abgewandten Seite aus, um die Balance zu halten. Es kann aber auch ein zweiter Gurt auf der zugewandten Seite eingesetzt werden. Außerdem stehen zwei verschieden starke Gurte zur Verfügung und jeder Gurt lässt sich an der unteren Befestigung zusätzlich in seiner Stärke justieren. Durch diese Vielzahl von Kombinationsmöglichkeiten ist eine ideale Abstimmung auf das vorhandene Equipment möglich. Ist diese Abstimmung ein Mal gefunden, so muss sie danach in aller Regel nicht mehr verändert werden und stellt so später keine Belastung dar. Der Gurt verbleibt während des Transports an der Wiege und das lose Ende in Form einer Schlaufe wird beim Aufbau binnen Sekunden am Höhenrad eingehangen.


Wiege und Bodendreieck

Die Wiege besteht zum größten Teil aus CfK-Platten. Die Konstruktion wurde derart ausgeführt, dass sich trotz eines geringes Gewichtes eine hohe Steifigkeit erzielen lies. Außerdem wurde die Wiege maximal flach konstruiert, was wiederrum der Gesamtstabilität zuträglich ist.

An beiden Seiten der Wiege besteht die Möglichkeit, ein Zuggurtsystem zu installieren.

Das Bodendreieck dagegen ist für sich genommen wenig stabil. Da die Gewichtslast der oberen Konstruktion über die PTFE-Gleitlager direkt in den Boden eingeleitet wird, dient das CfK-Brett lediglich als Distanzhalter und braucht so keine weitere versteifende Wirkung zu erzielen.

Drei Wälzlager übernehmen die seitliche Führung. Halteplättchen sorgen dafür, dass das Bodendreieck auch beim Anheben mit der Wiege verbunden bleibt.


Schwingungen und Nachführung

Um von der Stabilität der Konstruktion und dem Nachführverhalten einen Eindruck zu vermitteln, wurde Polaris auf Video aufgenommen. Bei Polaris handelt es sich um einen Doppelstern, die A-Komponente hat eine Helligkeit von 2mag, die Helligkeit des Begleiters beträgt rund 8mag und die beiden Sterne trennen 18 Bogensekunden.

Der Abbildungsmaßstab der folgenden Videos beträgt 0,47“/Pixel, daraus ergibt sich eine Kantenlänge von 6,25x4,7 Bogenminuten. Bei einem Okular mit 65° scheinbarem Gesichtsfeld entspräche der Ausschnitt dem Gesichtsfeld bei 833x Vergrößerung.

Trotz des geringen Gewichtes ist die Steifigkeit gut genug, dass sich das Teleskop auch bei Höchstvergrößerung präzise positionieren lässt.

Im zweiten Video wurde mehrmals unterschiedlich stark an den Hutring getippt, um das Ausschwingverhalten zu verdeutlichen. Natürlich handelt es sich dabei nicht um einen streng wissenschaftlichen Test, aber so lässt sich zumindest zeigen, dass auch stärkere Schwingen binnen kurzer Zeit abklingen. Die Dämpfung der gesamten Konstruktion ist also praxistauglich und besser als bei manchem doppelt so schweren Dobson.

Die Videos entstanden mit dem leichtesten mirrage-Dobson. Die größeren Baugrößen dämpfen Schwingungen nochmals besser.


Schutzhülle (optional erhältlich)

Eine Schutzhülle ist sinnvoll, um die Optik vor Taubefall zu schützen, eine ideale Abschirmung von Streulicht zu erreichen und um Körperwärme aus dem Strahlengang zu halten. Beim mirrage-Dobson findet für die Schutzhülle sehr leichter, wasserundurchlässiger und strapazierfähiger synthetischer Stoff aus dem Drachensport Verwendung. Jede Hülle wird individuell auf das Teleskop abgestimmt. Die Befestigung am Hut erfolgt durch Klettbänder, am Umfang werden die beiden Enden durch Blitzverschluß-Schnallen zusammen gehalten.


Rasenbasis (optional erhältlich)

Oft findet man am Beobachtungsplatz keinen festen Untergrund vor. Für diesen Fall wurde die Rasenbasis konstruiert, welche auf weichen Untergründen für einen deutlich stabileren Stand sorgt. Sechs Erdnägel verankern die drei Plattformen im Boden, die Wiege des Teleskops wird unverändert mit ihren drei Standfüßen derart auf die Basis gestellt, dass die Füße zwischen den Köpfen der Erdnägel stehen. So ist sichergestellt, dass die Füße nicht von den Plattformen rutschen können.


Transport I

Um das Teleskop mit dem Auto und über kurze Distanzen zu Fuß zum Beobachtungsort zu befördern, lassen sich die einzelnen Komponenten zu zwei Packstücken zusammenfassen.

Solange die Höhenräder beim Transport an der Spiegelbox belassen werden, bietet es sich an, diese Einheit in der Wiege zu transportieren. Der Hut lässt sich dabei, gepolstert durch eine Weichschaumplatte, umgedreht auf die Spiegelbox legen. Über zwei Klett-Fixierbänder wird der Hutring mit den Höhenrädern derart verzurrt, dass er sich in den Schaum drückt und so unverrückbar Autofahrten übersteht. Der Fangspiegel wird durch einen innen gepolsterten Kunststoffbehälter geschützt, Blenden und der Rigel-Quickfinder finden auf dem Schaumstoff ebenfalls Platz. So ergibt sich ein kompaktes Paket, welches sich als Ganzes tragen lässt. Auf Wunsch können weitere Gurte vorgesehen werden, mit welchen sich Wiege und Spiegelbox zueinander fixieren lassen.

Die Gitterohrpaare werden für den Transport parallel gestellt und mittels Klett-Fixierbändern zu einem Bündel zusammen gezurrt.

Ist es zum Beispiel bei Autos mit Stufenheck nicht möglich, die Spiegelbox samt angeschraubten Höhenrädern in den Kofferraum zu heben, so lassen sich die Höhenräder leicht von der Spiegelbox entfernen. Die Spiegelbox wird in diesem Fall auf Weichschaum gebettet in der Wiege liegend transportiert. Mit Hilfe von elastischen Gurtbändern können wieder alle Teile der Mechanik zu einem handlichen Packet geschnürt werden und sind vor einem Verrutschen während der Autofahrt geschützt.

Ein 14“ findet bequem in praktisch jedem Kofferraum Platz. Die Idee des mirrage-Konzeptes ist, dass auch bei den größeren Öffnungen ohne Leiter beobachtet werden kann. Ein positiver Nebeneffekt ist, dass dadurch die Gitterrohre auch bei größeren Öffnungen kaum länger als bei den kleinen Baugrößen sind.

Damit Ihr Gerät beim Transport mit dem Auto ideal gesichert werden kann, gebe ich mehrere Weichschaum-Abschnitte bei, welche sich individuell auf Ihren Kofferraum anpassen lassen.

Ist ein besserer Schutz der Gitterrohre gewünscht, so kann optional eine gepolsterte Tragetasche zugebucht werden. Diese stabile Tasche bietet durch die allseitige Polsterung einen guten Schutz und ist hochwertig verarbeitet. Im Inneren befindet sich mehr als ausreichend Platz um die Gitterrohre bei Flugreisen durch weitere Polsterungen nochmals effektiver zu schützen.


Kenndaten, Preise und Lieferzeiten

Die folgende Tabelle gibt eine Übersicht über Standardgrößen. Die Öffnungsverhältnisse sind unter der Annahme gewählt, dass moderne Okulare und bei den größeren Geräten ein hochwertiger Komakorrektor eingesetzt werden. Andere Abmessungen, Öffnungsverhältnisse und Ausstattung sind auf Anfrage selbstverständlich möglich.

Opt. Durchmesser 355mm / ca. 14" 400mm / ca. 16" 460mm / ca. 18" 535mm / ca. 21" 600mm / ca. 23,5" 710mm / ca. 28" 810mm / ca. 32"
Öffnungsverhältnis f/4,7 f/4,5 f/4,3 f/4 f/3,8 Anfrage Anfrage     
Gesamtgewicht  15kg 19kg 23kg  29kg 40kg
Okularauszug  2“ HC-2 2“ HC-2 2“ HC-2 2“ FeatherTouch 2“ FeatherTouch
Fangspiegel  Antares  Antares Antares Antares Nauris
Zuggurtsystem  Ja  Ja  Ja  Optional  Optional
Preis  7900€  9000€  10600€ 12700€ 15600€


Zur Standardausstattung gehören außerdem: Nauris-Parabolspiegel wie hier beschrieben, Hauptspiegel-Abdeckung, Rigel Quickfinder, Fangspiegelheizung, Streulichtblenden an Hut und Hauptspiegelfassung, Filterschwenker für drei 2“ Filter, Carbon-Gitterrohre - paarweise zusammengefasst, Tragegriff, Abstrebungen Höhenräder, 18-Punkt-Spiegelzelle mit lateraler Zentrallagerung, Hauptspiegel-Justage von Oben, Carbon-Wiege mit PTFE-Gleitlagerung, alle Schrauben und Normteile nichtrostend.  

Die oben aufgelisteten Preise gelten zuzüglich Verpackung und Versand. Bei verbindlicher Auftragsannahme wird eine Anzahlung in Höhe von 50% des Kaufpreises erhoben.

Bitte erfragen Sie die voraussichtliche Lieferzeit per Email oder über das Kontaktformular. Da es sich um kein Massenprodukt handelt, sind längere Lieferzeiten einzuplanen.

Weitere Informationen zu Bestellung, Kauf und Lieferung können Sie meinen AGB entnehmen.


Optionales Zubehör

Zusätzlich zur Standardaustattung lässt sich das mirrage-Konzept erweitern. Neben diesen Erweiterungen sind nach Absprache auch Sonderwünsche realisierbar- sprechen Sie mich einfach darauf an!

Preisliste Sonderausstattung 14" 16" 18" 21" 23,5" 28" 32"
Eloxalfarben Rot oder Gold (Standard ist Blau) 60€ 60€ 60€ 80€ 80€ Anfrage Anfrage
Schutzhülle 175€ 200€ 230€ 270€ 330€
Rasenbasis 75€ 80€ 90€ 110€ 135€
Erweiterung Filterschwenker um vierten Platz 130€ 130€ 130€ 130€ 130€
Klassische Hutblende 0€ 0€ 0€ 0€ 0€
2“ FeatherTouch Okularauszug anstatt HC-2 470€ 470€ 470€ - -
Tragetasche für Gitterrohre 50€ 50€ 50€ 50€ 50€
Adaption optischer Sucher Anfrage Anfrage Anfrage Anfrage Anfrage

Einzelkomponenten

Bestimmte Komponenten der mirrage-Mechanik werden in Zukunft auch einzeln verfügbar sein, um damit Selbstbauten ausstatten zu können. In Vorbereitung sind:

  • Hauptspiegel mit Zentrallagerung
  • Hauptspiegel-Zelle mit Zentrallagerung, verschraubbar mit üblichen Holz-Spiegelboxen
  • Hauptspiegel-Zelle mit klassischer Lagerung per Wälzlagersupport an der Umfangsfläche (2x45°) für Fremdspiegel ohne Bohrung
  • Fangspiegelhalter samt Spinne

Ausblick

Die Entwicklung der mirrage-Dobson-Serie steht auch in Zukunft nicht still. Ständig bin ich auf der Suche nach Verbesserungen und nehme dabei auch Anregungen und Wünsche meiner Kunden an.

Schon ab dem nächsten Gerät dieser Serie kommen mechanische Verbesserungen und Erweiterungen zum Tragen, die die Funktionalität dieser Teleskope und das Beobachtungserlebnis weiter erhöhen werden.

Neben allgemeinen Verbesserungen an der Standard-Mechanik befinden sich außerdem optionale Erweiterungen in Planung:

  • Geteilte Gitterrohre
  • Ready-for-Bino
  • Bremse als Ergänzung oder Ersatz für das Zuggurtsystem
  • Transportlösungen
  • Adaption von digitalen Teilkreisen und GoTo

Zu gegebener Zeit werden Neuheiten an dieser Stelle detailliert beschrieben.


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